Arbeitsweltveränderung im Zeitalter der Digitalisierung

Nachhaltigkeit im (Künstler-) management

Märkte der Zukunft

Neben meinen Aktivitäten als Berater, Speaker und Läufer habe ich noch zwei Firmen, die – vereinfacht ausgedrückt – im Unterhaltungsgeschäft angesiedelt sind. So unterschiedlich alle meine Projekte oft erscheinen, so haben doch alle Aktivitäten einen gemeinsamen Nenner: Zukunft. Mich interessieren die Fragen: Was kann man alles noch schaffen, wo sind die Märkte der Zukunft und wie kann man nachhaltigen Erfolg gewährleisten?

Meine Projekte und Firmen

Meine Firma Kölner Eventschmiede entwickelt Eventbusfahrten, u.a. die Kölner- und Düsseldorfer-Lachexpedition oder Kölner Travestie-Express oder der Düsseldorfer Schlagerbus. Außergewöhnliche Busshows in denen die Städte zum lebenden Bühnenbild werden, also Unterhaltung mit Mehrwert. Zwei Entwicklungen haben uns zu diesem Ansatz geführt. Auf der Angebotsseite vermischen sich immer mehr Unterhaltungsformen. In unserem Fall unterhaltsame Comedyshows mit Informationen zu den Eigenarten der Städte oder zu bestimmten Zeitgeistthemen. Mit anderen Worten inszenierte Infotainmentshows. Und auf der Nachfrageseite wächst der Freizeit- und Tourismusmarkt enorm. Zuschauer suchen nach immer neuen Formaten, um Städte und Regionen kennenzulernen und deren Besonderheiten zu erfahren.

Meine zweite Firma Stand-up & More beschäftig sich – wie es der Name vermuten lässt – mit Stand-up Comedy und More 😉 Wir beraten und managen Künstler und entwickeln eigenständig Showformate. So entwickeln wir gerade eine neue deutschlandweite Afterwork Stand-up Show namens 60 MinutesAuch hier erkenne ich auf der Nachfrageseite den Wunsch nach neuen Unterhaltungsformen. Unsere Idee: Die Show ist nur noch ein Teil des Abendprogramms: „1 Std. Lachen, 3 Std. ausgehen und immer noch vor 23:00 im Bett – 60 Minutes

Für die beiden Unternehmen GEDANKENtanken und World of Dinner haben wir das GEDANKENtanken-Rednerdinner entwickelt und sind für dessen Umsetzung verantwortlich.
Konzepte zu entwickeln und auch umzusetzen war schon immer einer meiner Arbeitsansätze. Das hat für die Künstler, mit denen wir arbeiten, große Vorteile, weil wir durch diese Herangehensweise quasi maßgeschneiderte Jobs für die Künstler mit in die Verträge einbringen. Trotzdem habe ich beim Thema Management 3x nachgedacht, ob ich das wirklich will, denn man bürgt sich eine enorme Verantwortung auf, wenn man sich um die Karriere von anderen Menschen kümmern soll.

Marktübersicht „Künstler-Management“

Seit Jahren beobachte ich diesen Markt sehr intensiv. Einerseits habe ich ja selbst lange als Künstler gearbeitet und war lange auf Tour (und tue dies gelegentlich immer noch), andererseits habe ich aber auch ständig mit Vermittlungs- und Managementagenturen und vor allem mit Künstlern/innen zu tun. Auch mit Sportlern hatte ich schon immer intensiven Kontakt, weshalb ich glaube, dass viele meiner Ideen auch in diesem Bereich eine Relevanz haben. Was mich ehrlich gesagt oft irritiert, ist wie wenig über Langfristigkeit und Zukunftsstrategien gesprochen wird. Und ich spreche hier von einer Zukunft, die über zwei Jahre hinausgeht. Ich verstehe, dass für alle das „schnelle Geld“ im Vordergrund steht. Als Künstler/in oder auch Sportler will man natürlich lieber morgen als übermorgen berühmt sein. Und Agenturen leben von Provisionen und je schneller die Gagen steigen, umso besser. Außerdem weiß man ja nicht, ob man die aufsteigenden Stars ewig halten kann. Alles wird immer schneller: mehr Termine, noch höhere Gagen, in noch kürzeren Zeitabschnitten.

Zukunft der Arbeitswelt

An diesem Punkt setzen auch die Überlegungen an, die mich als Keynote-Speaker in meinen Vorträgen beschäftigen: Zukunft. Wie sieht die Arbeitswelt in zehn oder sogar 30 Jahren aus? Wer hat dann genügend Arbeit? Müssen wir alle noch arbeiten? Und was machen wir ansonsten? Insbesondere bei Berufswelten wie die der Künstler/innen sehe ich viele Fragen und große Herausforderungen. Erfolgszyklen werden immer kürzer, die Lebenserwartung wird jedoch immer höher. Was bringen einem fünf oder auch zehn Jahre des großen Erfolges, wenn man danach 40 Jahre lang nicht weiß, was man mit seinem Leben anstellen soll? Künstlerkarrieren starten meistens schon in deren 20ziger Jahren. Und junge Menschen tun sich erfahrungsgemäß oft schwer damit, zu verstehen, dass es ein Leben nach 30 gibt (Kenne ich noch aus eigener Erfahrung). In diesem Umfeld – längeres Leben, immer kürzere Erfolgszeitfenster – kommt den Agenturen eine große Bedeutung zu. Natürlich fragen sich Agenturen oft: Müssen wir das erklären? Wir haben doch auch nur kurzfristige Verträge?!

Perspektiven schaffen

Meine Meinung zu dieser Frage ist recht einfach. Ich glaube jeder Mensch, jede Organisation und jedes Unternehmen trägt erstens eine Grundverantwortung mit sich, nennen wir es Arbeitsethik und zweitens werden Agenturen nur langfristig überleben, wenn sie mehr als einen Künstler*in und mehr als einen Vertragszyklus abwickeln. Und spätestens dann hat sich rumgesprochen, welches Management nicht nur Geld, sondern auch Perspektive geschaffen hat.

Work-Life vs Life-Work

Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang auch einmal das große Ganze ansehen. Die Veränderung der Arbeitswelt wird eines der ganz großen Themen der Digitalisierung werden. Denn wir werden an einer Um- und Neuaufteilung von Arbeit nicht vorbeikommen. Zum Beispiel das Thema Work-Life Balance. Work-Life-Balance ist ein Begriff, der in den letzten Jahren rauf und runter diskutiert worden ist. Doch meistens ging es hier um die Frage: Wie kann ich noch ein LEBEN unter Berücksichtigung meiner ARBEIT haben? In Zukunft wird sich die Frage immer häufiger drehen: Habe ich noch genug ARBEIT damit mein LEBEN noch Spaß und Sinn macht? Denn ARBEIT ist nicht nur finanzielle Grundlage eines LEBENS, es ist oft auch Selbstverwirklichung und Sinnstifter. Aber eins kann man jetzt schon verstehen: Unterhaltung und professioneller Sport werden noch wichtiger und lukrativer, aber auch härter umkämpft werden. Doch so wie die Digitalisierung zu einem Abbau der traditionellen Arbeitsberufe führt, so führt die Digitalisierung gleichzeitig auch zu einer MASS-Customization. Übersetzt könnte man sagen, es gibt eine Massenproduktion, deren einzelne Einheiten alle individualisiert angepasst werden können. Diese Entwicklung wird auch den Unterhaltungs- und Freizeitmarkt enorm verändern. Es wird immer mehr Nischen, aber auch mehr Mischprodukte geben. Das heißt, bei aller Digitalisierung und bei einem immer größeren Einsatz von KIs (Künstliche Intelligenzen), sind es vor allem die Menschen, die kreativ denken und schnell adaptieren können, die im Vorteil sind.

Agenturen der Zukunft

Wie sieht die Zukunft für die Agenturen aus? Vielleicht sollten wir in diesem Zusammenhang die Frage noch konsequenter stellen: Wer braucht demnächst überhaupt noch klassische Vertriebsagenturen? Denn nichts anderes sind Managementagenturen zum größten Teil. Vor allem in der Vergangenheit waren sie vorrangig Makler, die überhaupt erst einmal den Kontakt zwischen Künstlern und Theatern, Medienplattformen und Unternehmen hergestellt haben.

Heute gibt es dank social Media unzählige Kanäle und Plattformen, wo sich Künstler*in und Auftraggeber*in treffen und austauschen können. Diese Entwicklung ist ja nicht ganz neu und verändert das Verhältnis Künstler*innen und Agentur rapide. „Warum soll ich eine Provision zahlen, wenn ich doch selber angesprochen worden bin?“ Es ist doch legitim als Auftraggeber/in direkt die Künstler*innen anzufragen. Warum nicht? Es ist doch eine freie Marktwirtschaft. Warum sich mit einer Agentur oder einem Management rumschlagen, wenn man eine persönliche Beziehung zu den Künstlern aufbauen kann? Und wahrscheinlich hofft man auch, dass man so um die Gebühren der Vermittlung kommt und in der direkten Verhandlung einen besseren Deal abschließen wird. Gut, die Leidtragenden werden wahrscheinlich die Künstler sein. Aber woher sollen die das denn wissen? Vielleicht aus irgendwelchen Insta-Storys, aber nicht aus Erfahrung. Doch werden diese neuen Entwicklungen nicht aufzuhalten sein und daher muss sich die Rolle der Managementagenturen extrem schnell ändern.

Leadagentur oder Spezialist

Für die Managementagenturen sehe ich zwei Entwicklungen. Entweder man spezialisiert sich auf eine sehr eigene Vertriebsnische, die so viel Knowhow benötigt, dass man es ohne sie nicht machen kann oder man versucht zur strategischen Leadagentur zu werden, die alle anderen Aktivitäten bündelt und strategisch leitet. Die Gefahr der Nische ist, dass die Nische in zwei bis vier Jahren keine Nische mehr sein muss und man sein Alleinstellungsmerkmal oder sogar seinen Überlebensgrund verliert, weil man zum Beispiel alles per App abwickeln kann. Der Vorteil ist jedoch, dass man die Arbeit (solange es sie gibt) gut abrechnen kann. Jeder versteht, dass man Aufgaben, die man nicht selbst abwickeln kann, bezahlen muss. Anders sieht es mit der Arbeit einer strategischen Leadagentur aus. Sie hat, wenn sie die notwendige Glaubwürdigkeit aufbaut, kein Verfallsdatum. Denn wandelnde Märkte und Technologien, bedürfen immer auch neuer Strategien. Aber wie rechne ich meinen Aufwand ab und vor allem wie überrede ich Künstler*innen überhaupt erst einmal bei mir zu unterschreiben?

Herausforderungen für Leadagenturen

Wir selbst verstehen uns als eine strategische Leadagentur, die hilft die großen Strategien zu entwickeln und alle weiteren Agenturen und Vertriebskanäle zu koordinieren. Das Problem ist, dass wir oft gar nicht den Job akquirieren, sondern wir koordinieren und überlegen, wo und wie wir am besten an die Jobs kommen. Das heißt, dass wir natürlich mit anderen Agenturen kooperieren, wie z.B. Speakers Excellence. Aber wie macht man den Künstlern*innen klar, dass dann ein Mehr an Kosten anfällt als die üblichen 20% oder 25%? Im Prinzip ist das eine weitere Agentur ein zusätzlciher Werbeaufwand, der bei jedem anderen freien Job auch anfällt. Aber sobald es sich nicht um feste Summen, sondern um Prozente handelt, wird schwerer diese Kosten zu erklären oder zu akzeptieren. Man muss dann viel Überzeugungsarbeit leisten und den betriebswirtschaftlichen Ansatz erklären. Die größte Herausforderung ist jedoch nicht der erste Klient, sondern die nächsten zwei oder drei. Oft startet man mit einem Klienten aus einer sehr persönlichen Beziehung, bei der man die Problematik der Leadagentur in aller Ruhe erklären kann. Der Vater, der Onkel oder die Freundin managet den Sohn oder die Nichte oder der Tourmanager wird zum Personalmanager. Aber wie baut man aus dieser Startsituation einen größeren Klientenstamm auf, der letztendlich das langfristige Überleben mit den nötigen Synergieeffekten garantiert? Es ist viel Arbeit diese Vorgehensweise neuen Klienten schnell zu erklären. Oft versteht man als Künstler*in die Komplexität dieses Geschäftes erst dann, wenn man zwei Verträge abgeschlossen hat und / oder drei Niederlagen erlebt hat. Und über die Zukunft macht man sich sowieso erst dann Gedanken, wenn man schon eine Vergangenheit hat. (Und dann hat man schon einige Möglichkeiten verpasst.) Aber in Anbetracht der Schnelllebigkeit der Märkte und der Veränderung der Vertriebskanäle, ich bin davon überzeugt, dass man als Künstler*in nur erfolgreich sein kann, wenn man sich als Marke versteht und als Agentur die Künstler*innen als ein Gesamtkunstwerk betrachtet und alle Aktivitäten bündelt und strategisch koordiniert. Für die Arbeit der Künstler*innen ist es wichtig ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich komplett auf die Arbeit fokussieren können, ohne ständig im Tagesgeschäft involviert zu sein. Aber – und das verstehe ich – niemand möchte das Gefühl haben, unnötig viel Geld zu bezahlen oder eine Chance zu verpassen, weil die Agentur nicht kompetent ist.

Information und transparente Verrechnungsmodelle

Was man heute benötigt, ist eine klare Erfahrungsvermittlung und sehr transparente Abrechnungsmodelle. Man sollte sehr genau erklären, warum man heutzutage mit vielen unterschiedlich Agenturen (Vertrieb und PR) zusammenarbeiten kann und muss, warum auch der Klient selber immer noch der oder die beste Verkäufer*in ist und warum man in diesem Umfeld genau deswegen eine strategische Leadagentur braucht, die alles koordiniert und leitet. Natürlich ist das nicht einfach zu erklären, denn jeder aufstrebende Star hält sich (zu Recht!) für etwas Einzigartiges und die Agenturen wollen sowieso nur das Geld. Eigentlich wollen die Künstler doch nur zu der größten Agentur der Welt, inklusive eines Garantievertrages für einen Millionendeal, einem direkten Vorschuss, maximal 5 % Provision (wenn überhaupt) und der Möglichkeit jederzeit zu kündigen.
Deswegen ist es so wichtig neben einer geduldigen Erklärungsarbeit und offenen Strategieabsprachen auch die Verrechnungsmodelle so transparent wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel ein Sockelbetrag für Orga- und Beratung anzusetzen und dann je nach Zusammenarbeit oder Einsatz anderer Agenturen unterschiedliche Provisionssätze. Diesbezüglich gibt es viele Möglichkeiten, aber man sollte sich in der Anfangszeit früh zusammensetzen und dies alles genau besprechen und festlegen. Bloß nicht zu lange warten.

Zusammenfassung

Glaubwürdigkeit, Geduld, die richtigen Argumente und Transparenz sind für mich die Schlüsselfaktoren für das Überleben von Managementagenturen. Und natürlich kann es helfen, wenn man wie in unserem Fall selbst auch als Formatentwickler agiert und quasi die Jobs mit in den Vertrag bringt. Doch ein Vertragsabschluss ist unabdingbar. Egal wie gut man sich versteht, es geht nur mit Vertrag. Mein Lieblingszeitraum ist eine drei Jahresspanne. Zwei Jahre sind zu kurz und bei mehr als drei Jahren werden alle nervös. Noch beinhalten auch bei uns noch nicht alle Künstlerverträge die vollständige Exklusivität, aber mittelfristig sehe ich keine Alternative und sehe für andere Lösungen auch wenig Verhandlungsspielraum.