World Masters Athletics 2018 in Málaga

10.09.2018 | Interview der Woche (DLV-Online by Bettina Schardt)

„Knacki“ Deuser: „Für mich ist das ein unglaublicher Spaß!“

Bettina Schardt

Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser (ASV Köln) hat die Comedyshow „NightWash“ erfunden und 13 Jahre lang moderiert. Als Comedian, Moderator und Speaker kommt er in den vergangenen 30 Jahren auf mehr als 5.000 Bühnenshows. Vor zwei Jahren erinnerte er sich an die Leidenschaft seiner Jugend – das Laufen. Schnell war ein Ziel gesteckt: konsequentes Training und die Teilnahme an den Senioren-WM in Málaga über 800 Meter. Wir haben am Sonntag nach dem Vorlauf mit ihm gesprochen.

Klaus-Jürgen Deuser, der 800-Meter-Vorlauf ist geschafft. Sie sind in der M55 2:19,34 Minuten gelaufen und belegen insgesamt Platz 18. Wie war der Lauf, wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis? 

Klaus-Jürgen Deuser:

Die Zeit war mittel, das Ergebnis perfekt. Ich habe mich fürs Halbfinale qualifiziert! Ich war wieder sehr nervös. Ich bin schon viel in meinem Leben aufgetreten, aber solch ein Lauf-Start macht mich fertig. Ein Hammer-Erlebnis. Der Callroom mit den Jungs aus der ganzen Welt – so gut habe ich es mir nicht vorgestellt.

Wie geht es jetzt in Málaga für Sie weiter? 

Klaus-Jürgen Deuser:

Jetzt habe ich am Montag das Halbfinale. Da werde ich viel weniger nervös sein. Jetzt habe ich nichts zu verlieren. Ich habe sogar die kleine Chance, es über die Zeiten ins Finale der besten Zwölf zu schaffen. Mein Vorteil ist, dass ich super viel trainiert habe und mir ein zweites Rennen nicht so viel ausmachen dürfte.

Wie erleben Sie als Neuling die Masters-Weltmeisterschaften?

Klaus-Jürgen Deuser:

Für mich ist das ein unglaublicher Spaß! Ich habe bis ins Junioren-Alter Leichtathletik gemacht, wegen meines Berufes und aufgrund von Verletzungen habe ich damals aufgehört. Für mich ist es ein bisschen wie ein Traum, dass ich jetzt zu Ende führen kann, was ich früher begonnen habe. Es ist wirklich ein internationaler Wettkampf. Ein traumhaftes Erlebnis! Aber, auch wenn sie alle nett sind, sie sind auch alle unfassbar ehrgeizig.

Es ist eher ungewöhnlich, dass man nach 30 Jahren Laufpause wieder anfängt, sofort gezielt auf die Mittelstrecken hinzutrainieren. Wie kam die Idee vom Start bei der WM in Málaga zustande?

Klaus-Jürgen Deuser:

Vor zweieinhalb Jahren hat mich meine Frau dazu gebracht, mal wieder zu laufen. Sie hatte das Gefühl, dass mich das am meisten entspannt. Dann habe ich gedacht, ich brauche ein Ziel, sonst macht Training keinen Spaß. Die erste Idee war: Ich laufe einen Marathon. Doch nach fünf Monaten habe ich nochmal nachgedacht – muss es immer länger sein? Gibt es nicht noch was anderes?

Dann hab ich die EM in Amsterdam im Fernsehen gesehen – die 1.500 Meter. Die bin ich früher gelaufen. Also habe ich angefangen zu googlen und bin auf die WM in Perth gestoßen. Das fand ich spannend,  und ich habe meinen ersten Trainer Henning von Papen angerufen. Seitdem trainiere ich bei ihm.

Lief alles wie geplant oder gab es Probleme, mussten Sie Umwege in Kauf nehmen?

Klaus-Jürgen Deuser:

Ich habe viel Zeit investiert und viel Lehrgeld zahlen müssen. Ich glaube, die Mittelstrecke schafft man ohne Trainingsplan nicht. Ich habe mit vielen kleinen Verletzungen gekämpft. Wenn mich Henning von Papen und mein Arzt Dr. Jens Enneper nicht so gut betreut hätten, wäre es nicht so gut gelaufen.

Im Mai haben Sie Ihren ersten Bahn-Wettkampf seit 34 Jahren absolviert. Waren Sie sehr aufgeregt?

Klaus-Jürgen Deuser:

Das Gefühl wieder auf der Bahn zu laufen – das macht so einen Spaß. Das ist endlich wieder Rennen! Ich war sehr aufgeregt. Natürlich hat man ein bisschen Angst, dass man total kaputt ist. Klingt blöd, aber man hat auch Angst, dass man den Startschuss nicht hört.

Wie gelingt es Ihnen, das aufwändige Lauftraining in Ihren beruflichen Alltag zu integrieren? 

Klaus-Jürgen Deuser:

Dafür braucht man schon etwas Organisation. Du musst tatsächlich ein oder zwei Wochen im Voraus planen und deinen Arbeitsalltag schon ein wenig anpassen. Aber anderthalb Stunden finden sich irgendwie immer. Im Moment habe ich ein ganz gutes Timing. Die Bahneinheiten setze ich so, dass sie der Abschluss des Tages sind. Danach bin ich platt. Nach Dauerläufen dagegen gehe ich ins Büro.

Was war die größte Umstellung in den letzten zwei Jahren?

Klaus-Jürgen Deuser:

Das Essen war eine größere Umstellung als das Training. Ich habe meine Ernährung umgestellt, trinke keinen Alkohol mehr, esse nichts Süßes mehr und wenig Fett. Ansonsten esse ich viel, habe trotzdem abgenommen.

Ist mit der Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Málaga das Projekt beendet, oder geht es jetzt erst richtig los? 

Klaus-Jürgen Deuser:

Ich habe mich eigentlich schon vor sechs Wochen entschieden, ich mache weiter! Nach Málaga mache ich knapp zwei Wochen Pause. Nächstes Jahr laufe ich die 1.500 Meter. Dafür habe ich jetzt die Grundgeschwindigkeit. Ich habe mir schon die EM 2019 in Venedig und die WM 2020 in Toronto im Kalender eingetragen.

Mehr zu „Knacki“ Deuser und seinem Laufprojekt finden Sie in seinem Blog knackirennt.de