Steigerung der Kreativität

Über den Tellerrand

10.000 Schritte und Spinat

Seit Jahren gehen wir davon aus, dass wir 10.000 Schritte am Tag gehen sollten, um gesund zu bleiben und jetzt lese ich, dass dieser Mythos auf eine japanische Werbeaktion aus dem Jahre 1964 zurückzuführen ist. Rund um die olympischen Spiele in Tokio brachte die Firma Yamasa einen ersten Schrittzähler namens Manpo-kei auf den Markt. Was mache ich jetzt bloß mit allen meinen Fitnessuhren und Fitnessapps? Irgendwie erinnert mich das an meine unzähligen Teller mit Spinat, die ich als Kind essen musste. Spinat – das eisenreichste Gemüse der Welt. Zumindest glaubten das meine Eltern, bis sich herausstellte, dass sich der Physiologe Gustav von Bunge (aufgepasst) 1890 verrechnet hat. Erstaunlich wie schnell sich solche Mythen in unseren Köpfen festsetzen und wie lange sie halten.

Denkfalle Kreativität

Ähnliche Phänomene beobachte ich immer dann, wenn über die Themen Humor und Kreativität gesprochen wird. Beide Fähigkeiten beruhen, entgegen häufig geäußerter Meinungen nicht auf besonderen Talenten oder genetischen Defekten, sondern sind zum allergrößten Teil antrainierte Fähigkeiten. Die notwendigen Herangehensweisen habe ich schon in einigen Artikeln beschrieben und trainiere sie auch in einigen von meinen Seminaren. Doch noch wichtiger als das entsprechende Training ist die entsprechende Einstellung. Modern würde man vom richtigen Mindset sprechen.

Phasen der Ideenarmut

Warum im frühen Mittelalter über viele Jahrhunderte so wenig technischer Fortschritt zu aufzufinden war, erklärt der Historiker Yuval Harari, Sapiens – a brief history of humankind, sehr spannend mit der nicht vorhanden Bereitschaft der Menschheit überhaupt etwas Neues zu suchen. Die Welt war von Göttern erschaffen und dementsprechend war alles festgelegt und schon vorhanden. Und wenn alles da ist, gibt es auch nur wenig Anlass etwas Neues zu suchen. Erst mit der Erkenntnis der eigenen Ignoranz – wir wissen, dass wir nicht alles wissen – fingen Menschen den Themen Kreativität und Neugierde größere Bedeutung zuzuschreiben.

Das richtige Mindset für Kreativität

Bei der Vorbereitung zu dem Kurzvortrag „Out of the box – Mut zum Geistesblitz“ für die Plattform GEDANKTENtanken wurde mir selber noch einmal klar, wie wichtig diese Einstellung ist. Ich kann nur etwas Neues finden, wenn ich erstens bereit bin überhaupt auf die Suche zu gehen und zweitens, wenn ich bereit bin auf Unbekanntes zu treffen. So banal dies vielleicht für den ein oder die andere klingen mag, so unabdingbar ist diese Einstellung für Kreativität. Neu ist neu. Und auch wenn wir immer von einem Geistesblitz träumen, der sofort unser Leben verändert, so wird es in Realität meistens anders aussehen. Wir haben plötzliche eine Idee, die zwar neu ist, uns aber gleichzeitig irritiert. Neu ist fremd, sonst würden wir es schon kennen und das Fremde fühlt selten sofort gut an. Man muss sich nur einmal unsere Gesellschaft ansehen, um zu erkennen, dass wir uns mit Veränderung nicht besonders leichttun. Es ist soviel einfacher zu erklären, dass das Früher, was man ja konkret beschreiben kann, besser ist, als das Unbekanntes, was kommen könnte.

Kreativ ist jeder

Die Grundlage von Kreativität ist notwenige Einstellung, zu verstehen, dass unser Gehirn – und zwar jedes Gehirn – perfekt für kreative Lösungen ausgelegt ist. Unser Gehirn kommt nicht an die Rechenleistung von Computern heran und unser Gehirn wird auch mehr Fehler machen als jeder Computer, aber das Gehirn wird noch für lange Zeit erheblich besser über den Tellerrand schauen als jeder Großrechner. Wir müssen es nur pflegen, mit den richtigen Zutaten füttern und dann in Ruhe arbeiten lassen.