Humor ein unterschätztes Erfolgstool

Übersicht

Jetzt stehe ich jetzt seit über 30 Jahren auf der Bühne oder vor Kameras und habe Sendungen wie NightWash entwickelt und produziert. Ich manage Künstler*innen, berate Unternehmen, werde als Keynote-Speaker, Formatentwickler und als Troubleshooter engagiert. All dies geschieht, weil ich anscheinend den Ruf, dass mir immer etwas Ungewöhnliches und Erfolgsversprechendes einfällt. Wenn mich in diesem Zusammenhang dann jemand fragt: „Wie kommen Sie auf neue Ideen. Was ist ihr Rezept für Erfolg?“ Dann antworte ich: „Mein Lösungsansatz lautet Humor. Wie sagte schon Wilhelm Busch: Wo Sorgen sind, ist auch Likör.“ Wenn ich Glück habe, lachen meine Gesprächspartner*innen oder fühlen sich zumindest nett abgeholt. Und sehr häufig folgt dann die Frage, was ich denn ernsthaft glaube, was Erfolg ausmacht. Meine Antworten variieren dann immer um folgende Aussagen:
Erstens sollte man in der Lage sein, sich auf neue Erkenntnisse, auf verändernde Rahmenbedingungen und neue Ideen einzulassen.
Zweitens sollte man selber neue Lösungen, Produkte und Ideen kreieren.
Man sollte drittens in Stresssituationen nicht den Kopf verlieren, sondern die anfallenden Herausforderungen schnell analysieren und Entscheidungen treffen.
Und viertens man sollte in der Lage sein seine Erkenntnisse und Ideen zu formulieren und andere Menschen mit auf die Reise zu nehmen und sie von seinen Ideen zu überzeugen.

Meistens folgt dann ein großes Durchatmen: „Ach so, ihre erste Antwort war ein nur Witz. Sie beschäftigen sich also mit Fragen des Leadership und des Managements!“ Wenn ich dann aber antworte: „Das tue ich auch, aber ich beschäftige mich wie gesagt zu allererst mit Fragen des Humors.“ Dann werden die Augen, die mich beobachten noch größer und ich kann quasi die Gedanken der dazugehörigen Köpfe lesen: „Was denn jetzt? Will er jetzt lustig sein oder ein Problem lösen? Wir haben jetzt keine Zeit für Witze, wir müssen ernsthaft Probleme lösen.“

Die Stärken von Humor?

Um es vorwegzusagen Humor ist ein enorm hilfreiches Tool. Nichts löst Stresssituationen besser auf als ein befreiendes Lachen. Die Suche nach einem Gag führt zu den verblüffendsten Lösungsansätzen und nur wenige Kommunikationsmittel ziehen Menschen schneller in ihren Bann wie ein gut gesetztes Bonmot. Humor ist ein extrem hilfreiches Kommunikationstool. Studien der Verhaltenspsychologen belegen, dass wir durch Lachen nicht nur unsere Stimmung verbessern können, sondern auch andere Menschen schneller für uns und unsere Idee einnehmen können.

Warum nutzen wir Humor so wenig?

Doch wenn Humors solche Vorteile mit sich bringt, warum wird sich dann in der Managementlehre, in der Entwicklung oder im Vertrieb so selten ernsthaft mit diesem Thema auseinandergesetzt? Die Antwort ist mir natürlich klar. Humor haftet insbesondere in Deutschland der Ruf des Unseriösen an. Humor ist etwas für das Private und nichts für das Geschäft. Entweder es ist lustig oder ernsthaft. Alles dazwischen ist sehr schwer zu verstehen. Und zweitens ist Humor ein Talent, das man hat oder eben nicht. Stimmt das? Ist Humor ein angeborenes Talent? In meiner intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema habe ich bisher nicht eine einzige wissenschaftliche Studie gefunden habe, die belegt, dass Humor genetisch bedingt ist oder sogar ein genetischer Defekt sei. (Mich würde interessieren, wie die Monty Pythons mit diesem Gedanken umgegangen wären…) Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich vielmehr berichten, dass Humor Mindset, Wissen und ganz viel Training ist. Aber ich verstehe auch, dass man sich erst dann mit diesem Thema auseinandersetzt, wenn man dieses Thema auch als wertig, hilfreich und in der jeweiligen persönlichen Umgebung als akzeptabel erachtet.

Um den Begriff Humor in unserer persönlichen Wahrnehmung etwas aufzuwerten, werde ich Ihnen im Folgenden einen kleinen Überblick liefern, wo und warum Humor in unserer beruflichen Welt einsetzbar ist. Und werde parallel dazu werde ich ihnen zeigen, dass Humor trainierbar ist und werde Hinweise liefern, auf was Sie achten sollten und könnte. In diesem Artikel werde ich mich auf drei Einsatzfelder konzentriert und versuche klare Tipps zur persönlichen Umsetzung mitzugeben.

Humor ist Ausrufezeichen gegen Angst

Der dänische Philosoph Kiergaard beschrieb Humor als ein Ausrufezeichen gegen Angst. In großen Stresssituationen oder Momenten der Angst, geraten wir oft in zwei sehr extrem unterschiedliche Aktionsmodi. Entweder wir verfallen in einen übersteigerten Aktionismus oder in eine Schockstarre. In dem Moment, wo wir uns zwingen einen Perspektivwechsel vorzunehmen oder uns die Absurdität der Situation klarmachen und es schaffen über diese Situation nur ein einziges Mal zu lachen, in dem Moment lösen wir es unser Denken aus der Angsthektik oder der Schockstarre und führen unser Denken in lösungsorientiertes Bahnen zurück. Machen Sie sich klar, wie verrückt die Welt ist. Versuchen Sie die jeweilige Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wie würden Sie die Situation bewerten, wenn nicht sie im Epizentrum des Geschehens stehen würden? Was könnte an dieser Situation für irgendjemanden komisch sein? Diese Art der Stressbewältigung ist eine Form der Konditionierung. Jedoch müssen sich überhaupt erst einmal auf einen solchen Ansatz einlassen und dann feste Stressroutinen aufbauen. Aber selbst, wenn Sie sich in Stresssituationen zwingen nur einmal zu Lachen, ohne zu wissen warum, verändern Sie ihre Gedanken und damit ihre Handlungen zu ihrem Vorteil. Das finale Ziel von Humor ist also nicht das Lachen, das eigentliche Ziel von Humor ist es die Panik aufzulösen und das Denken zu fördern.

Humor ist gelebte Kreativität

Wir leben in einer disruptiven Zeit der Veränderung. Neue Ideen sind der Treibstoff von Erfolg. Marktumwälzende Innovationen werden dringend gesucht. Sei es für Unternehmen oder auch auf der persönlichen Ebene. Und es ist so paradox: Alles ist begrenzt nur Ideen nicht. Aber wir glauben, dass uns gute Ideen einfach zufliegen oder eben auch nicht. Das heißt wir warten passiv auf eine Eingebung, anstatt aktiv die Idee zu suchen.
Wie sieht es in Humorpraxis aus? Comedywriting basiert auf zwei grundsätzlich Regeln. Erstens aus der Vorarbeit. Ich muss im Vorfeld das Thema analysieren und alles rationale Vorarbeit leisten. Dieser Schritt Eins wird meistens vergessen. Man erwartet, dass man auf eine lustige Idee kommt, weil man den Gedanken absolute Freiheit gibt. Das klappt erfahrungsgemäß nur ganz selten, weil wir überhaupt nicht wissen, was wir mit dieser Freiheit wenig anfangen können und wo wir mit unseren Überlegungen ansetzen sollen. In der Regel geraten wir eher in Panik, als das wir einen Geistesblitz erhalten. Vereinfacht ausgedrückt: ich kann nur über den Tellerrand schauen, wenn ich einen Teller habe. Sie müssen zuerst den Teller kreieren, um ihn dann zu zerstören. Wichtig ist aber die Reihenfolge. Ersten arbeiten, dann loslassen. Dieser Ansatz führt fast automatisch zu Problem Nummer zwei. Denn wenn wir uns schon einmal auf eine Zielrichtung und ein Thema einlassen, tun wir uns danach schwer von den erarbeiteten Ideen wieder loszulassen. Gute Ideen sind aber Regelbrecher. Kreative Gedanken halten sich nur selten an Normen oder Vorschriften, sie verändern sie. Denn das ist Regel Nr. Zwei: Man muss ich bereit sein, alles was man sich überlegt hat, später wieder über Bord zu werfen bzw. diese Ideen wieder einzureißen. Wie aber lasse ich los? Wie kann ich auf neue Ideen kommen? Hier kommt die eigentliche Stärke von Humor zum Tragen. Kreatives Denken ist eine Form des divergenten Denkens. Studien aus der Verhaltensforschung zu Priming Phänomen zeigen, dass schon die Vorstellung des Begriffs Humor das divergente Denken fördert. Wenn Sie vor einem Problem stehen, für das Ihnen gar nicht einfällt, versuchen Sie „lustig zu denken“. Überhöhen Sie die Überlegungen, wie würde eine Fantasyfigur das Problem lösen, was würde ihre Mutter dazusagen. Was würde Sie Held oder Heldin dieses Problem lösen. Haben Sie etwas Spaß bei Denken. Sobald Sie in diesen Bahnen denken, lösen Sie automatisch vieler ihrer Denkblockaden. Und erst nach dem man diesen Prozess des Loslassens durchlaufen ist, sollte man die Ideen durch den Filter der Machbarkeit und der Profitabilität laufen lassen. Wir müssen lernen den Filter von ernsthaft und lustig nicht am Anfang, sondern am Ende des Kreativitätsprozess einzuschalten.

Gerade meine Autorentätigkeiten haben mir gezeigt, dass Kreativität und Ideenfindung ist trainierbar. Doch auch hier geht es erst einmal um unsere Akzeptanz. Wir können nur besser werden, wenn wir uns auf das entsprechende Thema überhaupt einlassen.

Humor als Kommunikation

Abschließend noch ein paar Sätze zum Thema Humor als Kommunikationstool. Studien der Verhaltenspsychologie belegen, dass wir durch Lachen nicht nur unsere Stimmung verbessern können, sondern auch andere Menschen schneller für uns und unsere Idee einnehmen können. Würden wir das nicht gerne alle tun? Doch Humor steht am Ende der Präsentations- und Rhetorikarbeit. Humor ist für mich die Königsdisziplin der Kommunikation. Aber alles Besondere, braucht etwas Zeit, um es zu erlernen. Wer das Thema Humor für sich benutzen möchte, muss natürlich etwas Zeit mitbringen, denn zuerst auch die Grundlagen der Präsentation und Bühne beherrschen. Und man sollte dem Trugschluss aus dem Weg gehen, dass man mit guter Präsentation und einer Prise Humor auch schlecht vorbereitet Vorträge rettet. Content ist King und dann sollte man im Einzelfall klären wann und wie viel Humor das Thema verträgt.

Warum dieser Artikel?

Humor ist für mich mehr als nur ein schlechter Witz. Doch das Training und die Auseinandersetzung mit diesem Thema fordert etwas Geduld. Deshalb versuche ich immer den langfristigen Nutzen dieses Themas zu beschreiben. Erst wenn man das große Ganze sieht und Humor auch ein seriöses Thema annimmt, kann man ernsthaft lustig werden.

P.S.: und dann erkläre ich auch welche Bühnentricks immer gehen 😉