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Darmstädter Echo [31.10.2009]
Tanz auf dem Tisch: Klaus-Jürgen Deuser mit „Mist, mir geht’s gut“ im Darmstädter Jagdhofkeller
DARMSTADT. Am Donnerstagabend trat Klaus-Jürgen Deuser im Darmstädter Jagdhofkeller als fleischgewordenes Antidepressivum auf. Mit seinem zweiten Solo-Programm „Mist, mir geht’s gut!“ vertreibt er konsequent trübe Herbststimmung. Die verortet er besonders in den deutschen Breiten – mit Ausnahme des Rheinlands.
Die übertriebene krisenhafte Angst des germanischen Volksstammes vorm Scheitern nimmt er aufs Korn, indem er nonchalant auf die Furcht der SPD vor der Fünfprozenthürde verweist. Immer wieder erntet der Entertainer Szenenapplaus, denn er jongliert nicht nur mit Worten, sondern auch mit drei quietschbunten Bällen. Überhaupt zeigt der drahtige ehemalige Leichtathlet viel Körpereinsatz.
Einen halsbrecherischen Stepptanz mit Rollschuhen auf einem Tisch meistert er zur Freude des Auditoriums mit Bravour. Als er typische Bewegungen eines Fußballers vollführt und dabei zu einem Tanzflächenkönig mutiert, gibt es kein Halten mehr. Dabei bleibt der Künstler stets locker. Die Fröhlichkeit des im Rheinland wohnenden Comedians überträgt sich auf die zahlreichen Besucher.
In mehr als zwei kurzweiligen Stunden lässt Deuser Pointe auf Pointe folgen, ohne dass die Intensität des Vortrags nachlässt. Immer wieder wagt er Ausflüge auf das glatte Parkett der Politik. Viele Kinder in Deutschland seien so arm, dass sie ihre Handy-Klingeltöne singen müssten. Die Klimaveränderung greift er augenzwinkernd auf, indem er konstatiert, dass man in Skandinavien schon erste Rentiere mit Flip-Flops gesichtet habe. Und fürs Wetterphänomen fühle man sich in Deutschland schuldig, anstatt sich auch mal an schönem Wetter zu erfreuen.
Heiter ist die Stimmung während des gesamten Abends. Der als Moderator der Comedy-Sendung „Nigtwash“ im Fernsehen bekannt gewordene Klaus-Jürgen Deuser spielt immer wieder mit den Erwartungen des Publikums. Er droht spöttisch, einen Besucher auf die Bühne zu holen, belässt es aber bei der Ankündigung.
Viel lieber wendet sich der Comedian den Marotten seiner Zeitgenossen zu. In extremen Erfahrungen suchten die ihr Seelenheil. Mit der zugespitzten Bemerkung, dass manche Menschen Bungee-Jumping ohne Seil betrieben, hat Deuser die Lacher auf seiner Seite. Dass der Künstler Positivem zuneige, verdanke er nicht zuletzt seiner amerikanischen Gattin.
Mit zahlreichen Wortspielen verteilt der an „Comedy-Tourette“ leidende Klaus-Jürgen Deuser reichhaltige Gaben aus dem Füllhorn des Humors. Das Publikum dankt es ihm mit reichhaltigem Beifall und erhält zwei Zugaben von dem gut aufgelegten Unterhaltungskünstler. |