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Vorhang auf [Darmstadt, April 2008]
Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser – Seit über 20 Jahren „On Stage“
„NightWash“, die mitternächtliche Standup-Comedy-Show aus dem Waschsalon in Köln, hält ihre Zuschauer im Bann. Früher im WDR aus dem Waschsalon, jetzt bei Comedy-Central aus dem ehemaligen Kino „Gloria“. Das Prinzip: Drei meist nicht so bekannte Comedians liefern schnell ihre Nummer ab und zwischendrin moderiert Klaus-Jürgen, bekannt auch als „Knacki“ Deuser. „NightWash“ geht jetzt vermehrt auch auf Tour. Mit dem Erfinder und Macher von „NightWash“ sprach für VORHANG AUF Pippo Russo nach der Aufzeichnung von zwei Fernsehshows im „Gloria“.
VORHANG AUF: Wie kommt man dazu, so ein Format wie“ NightWash“ zu machen? Klaus-Jürgen Deuser: Ganz einfach. Ich wollte die Comedy bereichern. Es gibt unheimlich viele Talente, die es zu fördern gilt. Und die brauchen mehr Auftrittsorte. Du wirst nur gut, wenn du vor den Leuten spielst. Im Ballett kannst du im Proberaum üben. Comedy geht nur vor Leuten. Auf den gewachsenen Kabarett-Bühnen musst du ein ganzes Programm spielen können. Aber um auch ein junges Publikum als Zuschauer zu bekommen, muss das außerhalb der traditionellen Kabarett-Theater stattfinden. In einer Bäckerei, Metzgerei oder eben in einem Waschsalon.
VORHANG AUF: Wann fing das an?
KJD: Drei Tage nach der Millenniumfeier hab ich mich hingesetzt und das Konzept geschrieben. Meine kleine Tochter war krank und ich saß die halbe Nacht an ihrem Bett. Da hab ich mich erinnert, dass ich mal Betriebswirtschaft studiert habe und fing an, halb aus Langeweile, halb aus Interesse, ein Konzept für ein neues Comedyformat zu schreiben. Wobei ich weniger über eine konkrete Show nachdachte, als vielmehr um grundsätzliche Wege, Dinge innerhalb der Comedyszene zu verändern. Aus diesen Überlegungen ist dann „NightWash“ entstanden. Ich gestehe aber, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass es am Ende so funktioniert.
VORHANG AUF: Die klassische Standup mit noch unbekannten Talenten war fürs deutsche Fernsehen geboren?
KJD: Ja, denn im „Ouatsch-Comedy-Club“ treten vor allem arrivierte Comedians auf, die ihre abendfüllenden Programme haben. Die kennt man. Bei uns kommen drei, vier auf die Bühne, die man noch nicht kennt. Gut, jetzt sind viele auch bekannt geworden. Hennes Bender, Mario Barth, Ausbilder Schmidt, Johann König. Wenn ich aber sehe, wie viele kleine Clubs es jetzt in Deutschland gibt, dann bin ich schon ein bisschen stolz. Da haben wir, glaube ich, schon was mit angeschoben.
VORHANG AUF: Was war bei dir vor „NightWash“?
KJD: Auf der Bühne stehe ich schon ewig. In der Jugend war Hochleistungssport dran, dann das Betriebswirtschaftsstudium. Aber da gab es schon die Comedy Gruppe „Die Nigelungen“ gemäß dem Motto: „Gib dem Publikum was ich will“. Das war Mitte der Achtziger bis Anfang der Neunziger. Und wir waren richtig gut. Doch es war noch vor dem Comedy-Fernsehzeitalter. Trotzdem haben wir jedes Jahr sechs Wochen in Berlin vor ausverkauftem Haus gespielt, vier Wochen in Hamburg und im Schlachthof in München. Nachdem wir uns 1994 aufgelöst haben, habe ich mich mit den unterschiedlichsten Sachen durch Leben geschlagen. Ich habe zwei Musikprojekte gestartet, Regie für zwei Musicals geführt und vor allem größere Industrieveranstaltungen moderiert und konzipiert.
VORHANG AUF: Du kannst also mehr als Moderation?
KJD: Wenn ich bei meinen Moderationen plötzlich steppe oder wenn ich mal ein Solo spiele, das verblüfft die Leute. Übrigens gehe ich mit meinem Soloprogramm auf Tour und komme im Herbst auch nach Darmstadt (KJD lacht). Es ist auch bei meinem Soloprogramm immer noch so. Erstmal sitzen die Zuschauer mit verschränkten Armen da, denken: „Das ist doch der Moderator? Ist der wirklich lustig?“. Aber nach fünf Minuten hab ich sie.
VORHANG AUF: Und jetzt gibt es „NightWash“-Clubs in vielen Städten?
KJD: Ja, momentan sind es 15 Orte. Wir hoffen aber, dass wir bis Ende des Jahres regelmäßig – so alle zwei Monate – in ca. 20 Städten sind. Natürlich mit wechselnden Comedians und unterschiedlichen Moderatoren. Das schaff ich alleine gar nicht mehr.
VORHANG AUF: Woher kommen die Talente? Castings?
KJD: Vor allem durch Mundpropaganda. Manchmal erzählt Hennes Bender, Johann König, der Ausbilder oder sonst jemand von den alten Recken, dass sie einen richtig guten Typen gesehen hätten. Und wenn du das von ein, zwei weiteren Seiten hörst, dann wird der eingeladen und bei den Live-Shows im Waschsalon ausprobiert. Danach weiß ich fast immer, ob aus ihm oder ihr was werden kann. Ich glaub, ich hab da schon einen guten Blick dafür.
VORHANG AUF: Ich habe gesehen, dass du bei den Aufzeichnungen heute Abend ein Kölsch getrunken hast. Alkohol im Dienst?
KJD: Selten, aber gegen eins habe ich auch nicht wirklich was einzuwenden. Wenn wir schon bei den tatsächlichen Aufzeichnungen sind, ist die meiste Arbeit ja auch schon getan.
VORHANG AUF: Schreibst du dir deine Texte selbst?
KJD: Größtenteils. Ich habe ein, zwei Co-Autoren, die mir zuarbeiten, aber das Meiste mach ich noch selber. Schade eigentlich. Ich hätte nichts gegen mehr gute Autoren.
VORHANG AUF: Die Gretchenfrage. Kann man von „NightWash“ leben?
KJD: Von der TV-Show alleine nicht. Das Dilemma ist, ohne die Firma würde ich NightWash nicht organisieren können, aber die Einnahmen reichen nicht, um die Firma ein ganzes Jahr über Wasser zu halten. So waren wir gezwungen, zusätzlich immer neue Projekte zu starten. Mittlerweile kümmern wir um das Booking unserer Tour und Touren anderer Künstler. Wir produzieren und schreiben sowohl fürs Fernsehen als auch für den ganzen Livebereich, inklusive Gala-Events. Aber das Wichtigste ist, dass es mir immer noch Spaß macht.
VORHANG AUF: Einfällt. Ein gutes Stichwort. Ich war baff, dass die Anfangsmoderation – das Warmup – ein fast 20-minütiges Solo war. War das so geplant?
KJD: Ja und nein. Ich hatte heute einen sehr langen Tag, von morgens früh bis jetzt spätabends. Er war sehr anstrengend. Im Büro, dann hier im „Gloria“. Ich musste zwischendurch die Texte lernen, habe selbst heute Mittag die Proben geleitet und dann auf der Bühne – vor der Aufzeichnung – hatte ich das Gefühl, ich habe das Publikum nicht so recht...
VORHANG AUF: …das Gefühl hatte ich von hier unten aber nicht…
KJD: …aber ich. Dann musst du mit dem einen oder anderen Gag aus deinem Programm kommen, musst das Publikum aus seiner abwartenden Haltung herausbekommen. Und ich bin halt auch Sportler. Ich will die dann auch kriegen. Und es ist mir gelungen. Denn, glaub mir, ich hab genug Material, von dem die Leute gar nicht ahnen, dass das gleich kommt.
VORHANG AUF: Was bringt die Zukunft?
KJD: Neben den Fernsehshows möchte ich „NightWash live“ auf Tour zu der Marke für Standup in Deutschland machen. Und dann natürlich mein eigenes Solo-Programm nach vorne bringen.
VORHANG AUF: Vielen Dank für das Gespräch.
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