Neue Westfälische nw-news.de [20.10.08]
Eigentlich ein netter Kerl
Von PAUL PRÖTER
Bünde. Gelegentlich liegen zwischen der Wahrnehmung eines Menschen auf dem Bildschirm und dem Live-Eindruck Welten. Wer im WDR-Fernsehen Klaus-Jürgen, alias "Knacki", Deuser als Gastgeber in "NightWash" erlebt hat, könnte ihn (pardon, "Knacki") für einen arroganten Schnösel halten. Ganz anders – und auch mit anderem Namen – jener Klaus-Jürgen Deuser, der sich am Samstagabend im Universum mit seinem neuen Soloprogramm vorstellte.
"Eigentlich ein ganz netter Kerl", war in der Pause im Universum-Foyer zu hören. Vielleicht auch, weil Deuser schon im ersten Teil seines Programms nicht in den Fehler vieler Kollegen aus der Comedian-Szene verfiel, die Messlatte für das Niveau seines Humors weit, weit unter der Gürtellinie anzulegen. Klar, es bekamen von "Knacki", der nun Klaus-Jürgen heißt, viele ihr Fett weg, aber immer recht stilvoll. Umweltschützer zum Beispiel, die vor dem Klimawandel warnen. Das ist für Deuser ein alter Hut, hat er doch noch eine Postkarte, mit der einst der Opa aus Russland grüßte. "Damals hatte Deutschland noch unterschiedliche Klimazonen", erläuterte der Kölner. "Sonnenschein und klirrende Kälte", zitiert Deuser den Opa, "ein Bein abgefroren, aber der Russe weicht zurück."
Die USA bekommen – natürlich – ebenfalls mehrere Seitenhiebe mit. Wenn die Amis denn im Irak-Krieg schon so stolz auf die Präzision ihrer Bombentreffer waren, dann hätten sie doch besser gleich zielgenau Lebensmittel abgeworfen, um die Not im Land zu lindern, meint Deuser, der Düsseldorf für den "Gaza-Streifen des Rheinlandes" hält. Das George W. Bush den Irak-Krieg überhaupt erst begonnen hat, liegt an der Natur der Männer. Deuser: "Wenn sie spielen, wollen sie auch gewinnen." Wehe, wenn nicht. Und im Irak würde noch heute Saddam Hussein herrschen, wenn George W. Bush beim Memory-Spiel auch nur einmal die zweite Ente gefunden hätte – meint jedenfalls Klaus-Jürgen Deuser.
Dafür, dass Deutschland bis dato von Terroranschlägen verschont geblieben ist, lieferte der einstige "Knacki" am Samstagabend ebenfalls Gründe. "Autobomben-Attentate scheitern hier doch schon bei der vergeblichen Parkplatzsuche", erläuterte Deuser unter dem ehrlichen Beifall des – leider – nur halb gefüllten Universum-Saales. Und schier aus dem Häuschen gerieten die Bünder Deuser Freunde, als der Mann auf der Bühne "Romeo und Julia" als perfekte Jonglage präsentierte und "allein ein ganzes Land nachmachte" (Chile), indem er mit beiden Augen in unterschiedliche Richtungen schielte. "Ein Tausendsassa", war man sich einig.
Für Klaus-Jürgen hat es sich "ausgeknackt"
Mitte der 1980er Jahre begann Klaus-Jürgen Deuser seine Karriere mit der Gründung der Comedygruppe "Die Niegelungen". Anfang 2000 gründete Deuser, der sich inzwischen den Spitznamen "Knacki" zugelegt hatte, in Köln das Live- und TV-Projekt "NightWash", das ab 2001 im WDR- Fernsehen und ab Oktober 2003 eine Staffel lang im Ersten ausgestrahlt wurde. Idee der Sendung war, dass die Künstler nicht in der normalen Umgebung eines Theaters auftraten, sondern in einem echten Kölner Waschsalon. Seit 2005 ist er mit seinem ersten Soloprogramm "StandUp!" unterwegs. Seit Januar 2008 verzichtet Deuser aus beruflichen Gründen auf den "Knacki" und firmiert nun ausschließlich unter seinem tatsächlichen Vor- und Nachnamen. |