Klaus-Jürgen Deuser
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Kölnsport: Sportszene [09.10.08]
„Der Kölner hat ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl“

von MARTIN FERNHOLZ

Der Artikel

Herr Deuser, in wieweit ist Sport überhaupt ein Thema für einen Comedian?

Deuser: „Sport ist mit Sicherheit ein großer Teil unseres Lebens und daher natürlich auch für Comedians eine große Quelle der Inspiration. Was würden Comedians ohne solch aufregende Sportarten wie Dressurreiten machen?“

Wenn Sie speziell an den Kölner Sport denken, was fällt Ihnen da zuerst ein?

Deuser: Da muss ich an Jupp, einen Kölner Fußballmasseur, denken, der einmal gesagt hat: „Doping im Fußball? Das hat da nichts zu suchen. Das gehört in die Spieler.“

Wenn man den Kölner Stadtoberen Glauben schenkt, ist Köln ja die „Sportstadt Deutschlands“ schlechthin. Wie sehen Sie das?

Deuser: „Nun, der Kölner an sich hat gerne ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Wir haben ja auch den einzigen DOM der Welt.“

Haben Sie als gebürtiger Kaiserslauterer und jetziger Wahl-Kölner inzwischen Ihr Herz für den 1. FC Köln entdeckt?

Deuser: „Es war nicht einfach, aber seit ich gefühlte acht Wiederaufstiege mitgefeiert habe und die Maskottchen alle beim Vornamen kenne, hat auch der FC einen Platz in meinem Herzen gefunden.“

Eigentlich müsste der 1. FC Köln ja ein ständiger Quell für gute Ideen eines Comedians sein. Der Verein versteht es ja immer wieder, auf „unkonventionelle“ Weise Aufmerksamkeit zu erregen.

Deuser: „Ich mag die Internationalität des FC. Super, dass man auf den Trikots neben das Wappentier direkt die englische Übersetzung geschrieben hat: Reebok.“

Können Sie verstehen, dass der FC seit seinem „Hang zum Wiederabstieg“ mehr Anhänger hat als je zuvor?

Deuser: „Auf jeden Fall. Wer braucht achte oder neunte Plätze, das ist doch langweilig.“

Haben Sie einen Lieblingsspieler in der aktuellen Truppe?

Deuser: „Petit. Ich mag, wie er läuft.“

Den Geißböcken wird oft eine gewisse Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität nachgesagt. Teilen Sie diese Beobachtung?

Deuser: „Nein, soweit würde ich nicht gehen. Ich finde, wir sollten mit dem 2. Tabellenplatz, der uns durch den Sieg gegen Schalke automatisch zugesprochen worden ist, zufrieden sein.“

Könnte man sagen, dass der FC mit seinem Schwanken zwischen „himmelhoch jauchzend” und „zu Tode betrübt” ein typischer Botschafter für die Stadt Köln ist?

Deuser: „Nein, das ist unser OB. Der ist nämlich himmelhoch jauchzend oder himmelhoch jauchzend.“

Der FC unternimmt mal wieder einen Versuch, sich in der Bundesliga zu etablieren. Aus Ihrer Sicht ein aussichtsreiches Unterfangen?

Deuser: „Klar, die Frage ist nur, in welcher Bundesliga.“

Welche Sportarten in Köln liegen ihnen besonders am Herzen, welche lassen Sie völlig kalt?

Deuser: „Ich war Leichtathlet und werde es immer bleiben. Dort findet man die Königsdisziplinen. Nie ist Sport ehrlicher. Schwierigkeiten habe ich nur mit Sportarten, die man mit dicken Bäuchen machen kann, wie Dart, Billard oder Treppenliftsurfen.“

Sie selber waren, wie angesprochen, ein erfolgreicher Leichtathlet und standen beim ASV Köln unter Vertrag. Verfolgen Sie das Geschehen bei diesem Traditionsverein heute noch aufmerksam?

Deuser: „Meine Tochter hat jetzt dort angefangen zu trainieren. Aber es ist in Köln nicht immer einfach, Nachrichten über andere Sportarten als Fußball, Eishockey und Basketball zu erhalten.“

Das traditionsreiche Leichtathletik-Sportfest „Weltklasse in Köln“ gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. U. a., weil im neuen Stadion kein Platz für eine Laufbahn war. Ließ man da die Leichtathletik zugunsten von König Fußball über die Klinge springen?

Deuser: „Mit Sicherheit, aber ich denke, das hat sich die Leichtathletik auch ein wenig selbst zuzurechnen. Heutzutage reicht es nicht mehr, Höchstleistungen zu bringen, man muss sie auch entsprechend vermarkten und dem Zuschauer näher bringen. Und das ist leider bei der Leichtathletik nicht so einfach.“

Bei den Kölner Haien wurde vor kurzem Trainer Doug Mason entlassen. Hatten die Verantwortlichen nach sieben Niederlagen aus sieben Spielen noch eine andere Wahl?

Deuser: „Ich finde, dass man prinzipiell in Deutschland immer etwas sehr schnell mit Trainerentlassungen umgeht. Gerade in den amerikanischen Profiligen arbeiten Trainer oft über viele Jahre mit einem Verein, und da braucht auch keiner Angst vor Abstiegen zu haben. Aber die letzten Siege geben dem KEC anscheinend Recht.“

Ist ein Trainerwechsel immer das beste Allheilmittel gegen anhaltende Erfolglosigkeit?

Deuser: „Nein, ich glaube, langfristig gesehen braucht ein erfolgreicher Verein gerade im Trainer- und Managementbereich Ruhe und eine durchgängige Philosophie. Das ist in allen Bereichen der Wirtschaft und Unterhaltung so. Warum sollte das im Sportbereich anders sein?“

Der Radsportklassiker „Rund um Köln“ kämpft ums Überleben, nicht zuletzt wegen der Doping-Problematik. Macht das Zuschauen bei Radrennen überhaupt noch Spaß, wenn man nicht weiß, wie die Leistungen zustande kommen?

Deuser: „Schwierig, dabei bin ich auch noch Fahrrad-Fan. Nichts ist spannender als eine Tour de France. Aber man traut sich ja kaum noch sie anzusehen.“

Wie hält sich „Knacki“ Deuser denn heute selber fit?

Deuser: „Ich laufe zwei bis drei Mal die Woche, spiele einmal die Woche Fußball, wenn möglich noch einmal Tennis und wenn ich es dann noch schaffe, freue oder ärgere ich mich noch alle zwei Wochen einmal im Stadion über den FC.“