Klaus-Jürgen Deuser
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GRENZLAND NACHRICHTEN [24.04.2008]

Drei Bälle für Romeo un Julia: Klaus-Jürgen Deuser gab Debüt in Nettetal

Nettetal (dv). Knacki Deuser zog bei seinem Auftritt in der Werner-Jäger-Halle zwar nicht die Massen an, doch sein Publikum brachte der „NightWash“-Moderator mit Witzen und Hüftschwung zum Lachen. „Hat die Show auch ’ne Botschaft? Hm, das ist schwer, schließlich mach’ ich Comedy“, entschuldigt sich Knacki Deuser gleich zu Beginn seines zweieinhalbstündigen Programms. Damit stapelt er tief, denn sein immer wieder mit Inbrunst vorgetragenes Plädoyer für mehr Lockerheit und positives Denken wurde zu seiner Botschaft und die kam an beim Publikum.

Rund 150 Leute waren gekommen, um ihn auf der Bühne zu erleben. Beeindruckend dabei: Seit langem gab es auch mal wieder junge Gesichter im Publikum. Und dieses wurde nicht enttäuscht: Deuser wartete mit einer gekonnten Mischung auf. Wortdirektheit und Charme-Attacken, bestens schillernder Nonsens und Beziehungsdramen. Hinterhältig verhaltene Anläufe, blitzschnelle Verbalattacken, mit enormen Sinn fürs Timing ausgespielte Horrorszenarien aus dem Alltag. Witze im Sekundentakt. Deuser beherrschte sein Metier, verband Handwerk mit anscheinend angeborenem Blödeltalent, war permanent für eine Überraschung gut. Das Einordnen des Genres fällt beim Kölner dann auch schwer: Macht er Standup-Comedy oder doch Kabarett? Eine Erklärung des Unterschiedes brachte die Zuschauer in Nettetal auf jeden Fall zum Lachen: „Die Comedians sagen ‚Wir machen es wegen dem Geld’ und die Kabarettisten sagen ‚Wir machen es wegen des Geldes’.“

Unangefochtenes Lieblingsthema war jedoch die Fußball-WM und die damit verbundene Euphorie. Außerdem beschäftigte er sich mit der ständigen Lockerheit der Amerikaner, der „Lose-Lose-Situation“ in Partnerschaften und der Klimakatastrophe. Grandios war seine äußerst kreative Jonglageeinlage, mit der er zweifelsohne den „Bildungsauftrag“ erfüllte: Seine Erzählung von Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“. Er „bebildert“ seinen szenarischen Bericht über die große Liebesgeschichte der beiden Veroneser mit dem wunderbar schnellen Flug von drei Jonglierbällen. Comedy als Bildungsteil. In diesem Verständnis ordnet er jeder Figur, jeder Situation einen der drei Spielbälle (rot, grün, gelb) zu. In der rasanten Akrobatik verpackt er den Klassiker und bereitet ihn als überraschende, pointierte Slapstick-Komödie auf. Zum Wegwerfen komisch!

Dabei hat er eigentlich gar kein inhaltlich in sich geschlossenes Konzept, redete über das Programm und die Profession des Komödianten an sich, erzählte scheinbar wahllos aneinandergereiht von täglichen Begebenheiten, von sich, seine Freunden und Freundinnen, von der Beziehung zwischen Mann und Frau, erinnert sich an Schulzeit, Lehrer und Zahnarztbesuche. Dieser ist mit einem untrüglichen Sinn für alberne Witze ausgestattet, die nur zünden, weil sie überfallartig, oft zu mehreren gebündelt und unvorhergesehen daherkommen und nur drei Sekunden dauern. Etwa der über seinen Zahnarzt: „Der macht’s nach Naturheilkunde. Zähne werden nicht gezogen, sondern wegdiskutiert. Blöd, oder? – Aber auf so was musst Du immerhin erst mal kommen“, kommentiert der Schöpfer selbst mit gespielter Fassungslosigkeit sein Werk.

Deuser ist ein Talent, das seine Kunst gleich aus mehreren Quellen schöpft: außergewöhnliche Wort- und Sprachgewalt, mimische Wandlungsfähigkeit und seine artistische Begabung, die jedem Varieté zur Ehre gereichen würde. Bei den beiden Zugaben schrie das Publikum vor Lachen. Deusers Ziel wurde also erreicht: Lockerheit und positives Denken.

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