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Frankfurter Neue Presse [08.10.2007]
"SOLO Standup"
Auch Rentiere tragen jetzt Flipflops
Der Kölner Komiker Knacki Deuser nahm seinen Programm-Titel „Stand Up“ im Neuen Theater Frankfurt-Höchst wörtlich.
Von Joachim Schreiner
Wenn man mehr Zeit bei seinem Steuerberater verbringt als mit seiner Ehefrau, kann die Beziehung schon mal etwas einrosten. Passt auch zum ersten Jahr nach Klinsmann, da in Deutschland wieder der angestammte Pessimismus Einzug gehalten hat. Im Brasilien Deutschlands, in Köln, wird indes sogar eine Beerdigung mit rheinischem Frohsinn begangen. Derweil tragen in Skandinavien Rentiere Flip-Flops als Zeichen der Klimaveränderung. Man ahnt es: Der Kölner Satiriker Klaus Jürgen „Knacki“ Deuser mäandert in seinem Programm inhaltlich von einem Gedanken zum nächsten und spricht so ziemlich alles an, was in den Schlagzeilen der Boulevard-Medien steht.
Doch hinter den Pointen sind böse Sottisen versteckt; Deuser ist ein subtiler Beobachter gesellschaftlicher Phänomene, die er ganz gezielt ausspielt. „Stand up“ verkünden denn auch zwei Aufsteller auf der Bühne, aber der Mann macht Kabarett der guten alten rheinischen Hüsch-Schule, vermag zudem mit Jonglage oder Körper-Perkussion den Abend im schwach besuchten Theater aufzulockern. Paradenummer ist eine Deuser-Lesart von Shakespeares „Romeo und Julia“, deren Protagonisten von einem Apfel, einer Orange und einer Zitrone dargestellt werden, die der Komiker virtuos durch die Luft wirbelt und denen er Züge menschlichen Verhaltens zu verleihen vermag. Deuser ist ein Talent, das seine Kunst gleich aus mehreren Quellen schöpft: außergewöhnliche Wort-und Sprachgewalt, mimische Wandlungsfähigkeit und eine artistische Begabung, die jedem Varieté zur Ehre gereichen würde. So entsteht ein Programm, das in Zeiten allgegenwärtiger Comedy singulär bleibt. |