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Neue Welt Ingolstadt [27.09.2007]
"SOLO Standup " Jammert nicht immer nur rum!
Wer je auf der Suche nach einem rhythmisch und dynamisch perfekt durchstrukturierten Comedy-Programm war, der sollte sich mal „Solo-Live“ von Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser ansehen. Dort wird er fündig. Wie der quirlige Ex-Tv-Waschsalon-Moderator an diesem Abend für knappe zwei Stunden die Neue Welt ausmischt, ist atemberaubend. Hinterhältig verhaltene Anläufe, blitzschnelle Verbalattacken, mit enormem Sinn fürs Timing ausgespielte Horrorszenarien aus dem Alltag, Witze im Sekundentakt. Ja, Deuser beherrscht sein Metier, verbindet Handwerk mit anscheinend angeborenem Blödeltalent, ist permanent für eine Überraschung gut.
Dabei hat er eigentlich gar kein inhaltlich in sich geschlossenes Konzept, redet über das Programm und die Profession des Komödianten an sich, erzählt scheinbar wahllos aneinandergereiht von täglichen Begebenheiten, von sich, seinen Freunden und Freundinnen, von der Beziehung zwischen Mann und Frau, erinnert sich an Schulzeit, Lehrer und Zahnarztbesuche – tut also durchaus klischeehaft all das, was seine Kollegen auch tun, aber eben umwerfend komisch, selbstironisch und mit unglaublicher Rasanz.
Deuser ist mit einem untrüglichen Sinn für alberne Witze ausgestattet, die nur zünden, weil sie überfallartig, oft zu mehreren gebündelt und unvorhergesehen daherkommen und nur drei Sekunden dauern. Etwa der zur Lage an der Pisa-Front: „Wenn Du heute einem Schüler was vom ‚Fliegenden Holländer’ erzählst, meint der, Roy Makaay macht im Strafraum eine Schwalbe.“ Oder der über seinen Zahnarzt: „Der macht’s nach Naturheilkunde. Zähne werden nicht gezogen, sondern wegdiskutiert.“ Natürlich ist das albern, zeigt aber immense Wirkung.
„Blöd, oder? – Aber auf so was musst Du immerhin erst mal kommen“, kommentiert der Schöpfer selbst mit gespielter Fassungslosigkeit sein Werk. Deuser wagt den Spagat zwischen herrlichem Unsinn und versteckten Fouls, zwischen Klischee und originellen Ideen – und fällt nicht auf die Nase damit, sondern kommt bestens an. Besonders gut natürlich mit seinen Paradenummern, einem 30-Sekunden-Stepptanz in Birkenstock-Latschen und dem Drama “Romeo und Julia“ für drei Bälle und einen Jongleur. Je absurder die Idee, desto lieber greift Deuser sie auf.
Und schließlich hat er am Ende dann doch eine Botschaft an seine Mitbürger, die er als Vertreter eines an sich miesepetrigen Volkes ausgemacht hat. „Jammert nicht immer nur rum, wagt auch mal was!“, ruft er ihnen zu: „Wagt das Abenteuer des Alltags!“. |