Klaus-Jürgen Deuser
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Westfalen-Blatt [13.03.2007]
TV-Humor-Entzug vor Ort lindern
„NightWash“: Knacki Deusers Talent-Schmiede für Stand-up-Comedians im Reethus

von MARVIN KLOSTERMEIER

Rheda-Wiedenbrück (WB). „NightWash“ frei empfangbar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – das war einmal. Wer den neuen Humor-Spartensender „Comedy Central“ nicht auf seiner Programmliste hat, der wird Knacki Deusers Talent-Schmiede für Stand-up-Comedians seit dem Jahreswechsel schmerzlich vermissen. Nur gut, dass es auch ein NightWash-Live-Programm gibt, um den TV-Humor-Entzug ambulant vor Ort zu lindern.

Der Jugendkulturring Rheda-Wiedenbrück hatte den drohenden Notstand frühzeitig erkannt; Knacki Deuser und Konsorten waren am Sonntag zum Gastspiel ins Reethus geladen. Die sechsköpfige Tourbesetzung (inklusive Musiker Alex „Die Band“ Flucht) hatte ein umfangreiches und sehr unterhaltsames Bühnenprogramm zu bieten, das so kurzweilig war, dass man selbst nach mehr als zweieinhalb Stunden Gag-Dauerfeuer den Eindruck hatte, es sei doch alles viel zu schnell vorbei gegangen.

NightWash-Erfinder Knacki Deuser begnügte sich dabei nicht mit der Rolle des Ansagers und Zeremonienmeisters. Die mitgereisten Komödianten mussten sich an seinem Witz messen lassen. Keine leichte Aufgabe, denn Deuser beherrscht die Kunst des Entertainments aufs Beste und hätte den Abend problemlos auch als Ein-Mann-Show durchziehen können.

Wer hier tief schürfende Satire erwartete, wurde vielleicht enttäuscht, an gut gesetzten Pointen zum Thema „Gott und die Welt“ herrschte in allen gekonnten Shownummern aber kein Mangel.

Mit Johannes Flöck ging es auf die Beauty-Farm (für Frauen keine Besonderheit, für sensible Männer hingegen eine blutige Grenzerfahrung) oder als AC/DC-Veteran in den Tempel der Coolness, ins HipHop-Konzert. Botschaft an die verweichlichte Jugend: Ins Konzert geht man gefälligst nicht mit Ohropax, „ich guck mir ja auch keinen Porno mit der Sonnenbrille an!“

Comedy-Kollegin Vera Deckers konnte zwei Dinge besonders gut: schnell sprechen und sich herrlich aufregen – über Männer, Beziehungen und besonders über Mainzer Elite- Fernsehwerbungsnotstand. Den lieben kleinen Melitta-Lauser zum Beispiel („Der Schleimer!“) könnte sie sich weit weg, möglichst in einem brasilianischen Kinderheim vorstellen, und dem enervierenden „Frucht-Alarm“-Kind wünschte sie gleich einen gewaltsamen Tod an den Hals. Ebenfalls werbegeschädigte Zuschauer fühlten hier ihre geheimsten Wünsche endlich ausgesprochen.

Sven Hieronymus, bekennender Mainzer Elite-Hauptschüler, illustrierte den Bildungsnotstand am Beispiel ehemaliger Schulkameraden, erklärte, wie man das Hessenabitur auch als Behindertenausweis nutzen könne, und ermutigte zum Ausprobieren pädagogischer Alternativen: „Auf der Waldorfschule – da lernste nix, was man gebrauchen kann, aber beim ersten Vorstellungsgespräch kannst du immerhin deinen Namen tanzen!“

Glanzpunkte des Abends waren die Auftritte Olaf Schuberts, der die kalkulierte ästhetische Katastrophe seines Erscheinungsbildes mit einer Mischung aus Verhaltensstörung und rhetorischen Maßlosigkeiten zu einem Gesamtkunstwerk geformt hat. Die Stärke des „untergewichtigen Überbegabten“ besteht darin, eben nicht kurz und prägnant auf den Punkt zu kommen, sondern begnadet drumherumzuschwafeln. So erklärt er uns den Segen der Emanzipation („Heute gibt's ja den Beruf der Astronautin. Das wäre vor 100 Jahren noch unmöglich gewesen!“) oder erläutert kundig, was Mann und Frau letztlich unterscheidet („Der größte Riss der menschlichen Gattung tut sich auf im genitalen Raum“).

Fazit: hervorragender Blödsinn, einen ganzen Abend lang. Mehr davon, bitte.

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