|
Bergische Zeitung [06.02.06]
NightWash-Moderator Knacki Deuser im Interview
Das Interview führte Dominic Böhmer
Im Dialog mit dem Medienmagazin TVmatrix sprach der WDR-Moderator unter anderem über die Comedysendung NightWash und über die Branche in den USA.

Seit dem Jahr 2000 existiert NightWash bereits als Veranstaltung und seit dem Jahr 2001 auch als Fernsehshow beim WDR Fernsehen äußerst erfolgreich. Die Sendung wird außerdem auch bei anderen Dritten Programmen und wurde in der Vergangenheit sogar im großen Ersten ausgestrahlt. Was macht Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept aus? Ist es das vor allem durchaus simple Konzept in einer ungewöhnlichen Umgebung?
Ich denke es sind 3 Faktoren: Erstens die unverwechselbare und wieder erkennbare Location. Zweitens die Chance junge Comedians zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen und drittens bei aller Einfachheit und Nachwuchsarbeit doch qualitativ hochwertige und richtig lustige Nummern.
Mussten Sie, als Sie das Konzept ins Fernsehen brachten, Veränderungen am ursprünglichen Konzept vornehmen oder ist dieses noch heute so wie vor sechs Jahren?
Das schöne bei dieser Produktion ist und war, dass wir nur die Veränderungen vorgenommen haben, die wir als sinnvoll erachtet haben. Von Seiten des WDR wurde uns nie reingeredet. Bestenfalls freundlich unterstützt. Was für mich ein Indiz dafür ist, dass es manchmal sehr hilfreich sein kann, wenn nicht zu viele „Köche“ an einem Projekt rumdoktern.
NightWash soll ein schräges Comedy-Trainingslager sein, in dem neben unbekannten Künstlern auch bereits in der Branche bekannte Comedians auftreten. Wo finden Sie neue Talente, die Sie in die Sendung einladen können? Fühlen Sie sich als Förderer von jungen Talenten wie Thomas Hermanns?
Ich glaube schon, dass ich mich so fühlen darf. Mehr oder weniger jedes neue Talent der letzten vier Jahre hatte seinen ersten TV-Auftritt bei NightWash, unter anderem Mario Barth, Johann König, Hennes Bender, Ausbilder Schmidt, Ingo Oschmann. Bei NightWash ging es neben einer guten „Show“ immer um die Förderung neuer Talente und die Chance, guten Newcomern eine Plattform zu bieten. Natürlich findet man neue Talente nicht mal gerade soeben. Das bedarf viel Zeit, Spaß am Coaching, ein gutes Netzwerk und manchmal auch etwas Glück.
Wie kamen Sie auf die Idee Comedians in einem Waschsalon auftreten zu lassen?
Einerseits sollte es auch ein öffentlicher Ort sein, wo automatisch ein paar Zuschauer sind, denn ganz ohne Publikum macht Comedy keinen Spaß. Andererseits sollte der Ort den bekannten Rahmen sprengen. Ebenfalls um eine größere Aufmerksamkeit zubekommen. Man braucht einfach 50-60 Zuschauer um zu sehen ob die Gags funktionieren und ob das Timing stimmt. Und aus den möglichen Orten: Metzgerei, Bushaltestelle, Drehtür des Hilton stach der Waschsalon einfach heraus.
Waren die Künstler in den Anfangsmonaten des neuen Formats nicht eher skeptisch, in einem Waschsalon aufzutreten oder waren eigentlich alle sofort begeistert?
Bis auf wenige Ausnahmen waren alle begeistert. Kann man ja auch verstehen, da sie bis dahin kaum die Chance hatten Standup zu präsentieren. Damals war es den meisten ziemlich egal wo sie auftreten konnten. Hauptsache ein Publikum, dass sich auch freut und bereit ist, neuen Gesichtern eine Chance zu geben.
Die Show wird eigentlich immer zu sehr späten Sendezeiten ausgestrahlt. Sind Sie nicht enttäuscht, dass man Ihnen keine frühere Sendezeit zur Verfügung stellt, oder glauben Sie, dass vielleicht auch das gerade den Erfolg der Sendung ausmacht und sie so irgendwie ein „Insider-Tipp“ ist?
Diese Frage wird mir seit dem Anfang gestellt und auch ich habe sie mir häufig gestellt. Zu Anfangs war der späte Sendeplatz sicherlich eine große Hilfe, weil er uns von viel Kritik abschirmte. Mittlerweile bin ich überzeugt, wir würden auch auf anderen Plätzen überzeugen. Aber jetzt ist es so und das ist auch in Ordnung.
Die Sendung gibt es jetzt seit fast fünf Jahren. Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz?
Das es so eine Sendung überhaupt in Deutschland gibt und bald sogar zum 100. Mal. Was für ein Wunder!
Sie moderieren seit dem Jahr 2005 auch die Wissensshow „Kopfball“ im Ersten. Was machen Sie lieber - Comedysendungen oder Formate, in denen es auch um Information geht?
Wie immer geht es im Leben um die richtige Mischung. Albert Camus hat mal in einem Buch einen Anwalt beschrieben, der ständig auf der Suche nach einem Flirt war, aber nach dem 10. Flirt brauchte er dringend ein gutes Buch. (Geschickt, wie ich eingeworfen habe, dass ich manchmal auch lese.)
Das Jahr 2006 ist gerade einige Tage alt. Können Sie schon etwas über Projekte in der Zukunft sagen? Sind neue Formate im Bereich Unterhaltung oder weitere Specials im Zusammenhang mit NightWash geplant?
Das Problem mit Projekten, die auf eigenen Ideen basieren, ist, dass man (leider) vorher nie soviel davon erzählen darf. Im Moment ist gerade ein neues TV-Projekt im Pilotstadium und ich bin in der Vorbereitungsphase zu einem Spielfilm. Ich hoffe, dass ich dazu in zwei bis drei Monaten mehr erzählen kann. NightWash gedeiht sehr erfreulich. Wir gehen auf die 100ste Sendung zu. An März laufen wir wieder regelmäßig auf dem WDR. Es wird ein Special von der Rose d´Or aus Luzern geben. Daneben treten wir jetzt schon in sechs Städten mit monatlichen Shows, den so genannten NightWash-Clubs auf, um Standup weiter zu verbreiten. Und – ab Mai bin ich zum ersten Mal Solo auf Tour. Also es wird nicht langweilig.
Sie wurden in New York zum Entertainer ausgebildet. Welche positiven und negativen Unterschiede konnten Sie zwischen Deutschland und den USA in diesem Bereich feststellen?
Show, Medien, Entertainment ist einfach das Kerngeschäft der USA. Hochgradig professionell und trotzdem locker und offen. Wenn man sich in diesem Geschäft einmal umgesehen hat, kann man kaum glauben wie engstirnig, intolerant und prüde ein anderer Teil dieses Landes sein kann. Theater in den USA ist nicht nur Broadway und Hollywood, sondern zum Teil sehr wild oder hoch intellektuell.
Entdeckt wurden Sie in der RTL-Show „Showmaster“ mit Werner Schulze-Erdel Anfang der 90er. Welche Bedeutung hatte die Show für Sie?
Ich bin mir nicht sicher, ob man das heute bei RTL noch weiß. Es war auch nicht wirklich der Start meiner Karriere, aber es war ein Anfang, es hat Spaß gemacht und ich habe eine Reise nach Los Angeles gewonnen – die sehr lustig war!
Wie finden Sie heutige Shows, die ähnlich konzipiert sind, wie „Deutschland sucht den Superstar“?
Ich bin da zerrissen. Einerseits habe ich ähnliche Vorbehalte, wie man sie oft öffentlich vernimmt. Aber, es gibt ja immer ein aber. Es kann, richtig benutzt, sehr wohl eine Chance sein. Siehe Ingo Oschmann als Sieger von „Star Search“. Er ist mit Talent in diese Show gegangen, er hat die Chance genutzt und ist nach zwei Jahren immer noch im Geschäft und wird es auch noch in drei Jahren sein. Ich finde man sollte es allen Teilnehmern nur rechtzeitig vermitteln, dass es eine Chance ist und nicht mehr. Dann, denke ich, muss man bei solchen Shows nicht sofort Amnesty einschalten.
Im vergangenen Jahr gab es im Fernsehen einen neuen TV-Trend: die Improvisationscomedy-Sendungen. Machen wir doch mal ein kleines Spiel: Wie könnte eine Moderation bei NightWash aussehen, die die Worte „Angela Merkel“, „Klingeltöne“ und „Castingshow“ beinhaltet?
Deutschland steckt im Umbruch. Auch wenn es für die Handys mittlerweile echte deutsche Jammerklingeltöne gibt, glauben wir wieder an den Aufschwung. Ja, wir sind überzeugt, dass wir Costa Rica bei der WM schlagen. Bei den Castingshows ist Dieter Bohlen mittlerweile zum sympathischsten Jury-Mitglied gewählt worden und wir finden es okay, dass eine Frau Deutschland auf den richtigen Kurs bringt. Vorausgesetzt Angela versucht diesen nicht rückwärts einzuparken. Und hier geht es jetzt weiter mit einem Meister der Motivation: Johann König.
Abschließend kommen wir zu unserem Interviewspiel, in dem ich Sie nun bitte, folgende Sätze zu vervollständigen:
NightWash ist für Comedians …
… das Zeitfahren für Jan Ulrich.
Ohne den WDR hätte ich …
… weniger zu erzählen.
Köln ist …
… eine Stadt (aber zum Glück nicht immer.)
Moderieren würde ich am liebsten mal …
… das Friedensabkommen von Hebron.
Vielen Dank für das Interview! |