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Bonner Generalanzeiger
Sein wunderbarer Waschaslon
[Autor: Heinz Dietl]
Er ist Komiker, ehemaliger Profisportler und gelernter Betriebswirt. Seinen größten Erfolg erlebt Knacki Deuser (39) zurzeit als Moderator und Produzent der Fernsehsendung NightWash, die jungen Talenten als wichtigstes Sprungbrett dient. Am Freitag gastiert der Wahl-Kölner mit einigen seiner Entdeckungen im Bonner Pantheon
Die Vogelsanger Straße windet sich wie ein Bandwurm vom Kölner Zentrum bis an den äußersten Stadtrand im Westen, wo die beschaulichen Querstraßen Reiherweg, Goldammerweg, Kranichweg oder Storchenweg heißen. Dort wird Knacki Deuser einmal hinziehen, wenn es die Zeit erlaubt. Seine sechsjährige Tochter Kaya würde sich jedenfalls über ein Haus mit Garten freuen. Noch lebt und arbeitet Deuser auf einem eher schmucklosen Abschnitt der Vogelsanger Straße, mitten in Ehrenfeld. Eine ehemalige Metallfabrik ist Büro und Wohnsitz.
An das Fabrikgebäude grenzt ein „Zentrallager für Haushaltsgeräte“, im Schaufenster stehen Waschmaschinen. „Reiner Zufall“ sagt Knacki Deuser, den die deutsche Comedy-Szene vor allem mit einem Waschsalon in Verbindung bringt. Deuser ist Erfinder, Produzent und Moderator der unglaublich erfolgreichen Fernsehsendung NightWash. Die Show gilt mittlerweile als wichtigstes Sprungbrett für junge Talente. Neue Comedy-Stars wie Mario Barth oder Ausbilder Schmidt zählen zu Deusers größten Entdeckungen.
Rund 70 Sendungen wurden in den vergangenen vier Jahren im WDR ausgestrahlt, im Januar startet die nächste Staffel. Und seit geraumer Zeit tingelt Knacki Deuser mit einem Live-Ableger durch die Kleinkunstclubs des Landes, am kommenden Freitag macht er zum wiederholten Mal Station im Bonner Pantheon.
Es riecht nach Waschpulver im Büro. Auch ein Zufall. Denn Deusers wunderbarer Waschsalon befindet sich nicht etwa in den Räumen der alten Fabrik, sondern im Belgischen Viertel Kölns, auf der Brüsseler Straße. Dort, zwischen Waschmaschinen und 150 Zuschauern, wird die Sendung von fünf Kameras aufgezeichnet. Das antiseptische Aroma im Büro hat eine andere Ursache: Deuser stapelt Requisiten – leere, aber echte Waschmittelkartons für Dekorationen und Fotoaufnahmen.
Bevor Knacki Deuser talentierte Komiker entdeckte, war er selber einer. Doch seine Geschichte beginnt noch früher. Und zwar in Koblenz, auf einem Gymnasium. Dort gab es den besonders engagierten Deutschlehrer Dieter Servatius, der seine Schüler für die Welt des Theaters interessieren wollte und eine Theatergruppe gründete. Man spielte „Hamlet“ und den „Sommernachtstraum“. In dieser Keimzelle entwickelten sich interessante Künstlerbiografien: Thomas Anders beispielsweise wurde später Sänger der Popband Modern Talking. Herb Jösch ist heute Bandleader bei Stefan Raab. Tobias Baumann hatte als Regisseur unlängst Erfolg mit dem Film „Der Wixxer“. Ralf Günther produzierte mit seiner späteren Firma Brainpool die ersten Ausgaben der „Harald Schmidt Show“, heute ist er Produzent von Anke Engelke und Stefan Raab. Wolfgang Lüchtrath schließlich landete im Ensemble der Bonner Springmaus.
Noch in der Schule gründete Knacki Deuser mit Wolfgang Lüchtrath und Ralf Günther das Trio Die Niegelungen. „Silvester 1983/84 spielten wir zum ersten Mal im Bonner Kleinkunstladen Fettnäpfchen, es war der Hammer“, erinnert sich Deuser. Die Niegelungen waren definitiv die Pioniere der deutschen Comedy. Das Genre existierte zu jener Zeit noch nicht in Deutschland. Inspiriert von den Marx Brothers und der europäischen Fools-Bewegung um Django Edwards widerstand das Trio unbeirrt dem Zeitgeist des politischen Kabaretts, das sich bevorzugt mit den Themen „Nachrüstung“, „Emanzipation“ oder „Volkszählung“ auseinandersetzte. Deuser: „Wir waren zwar auch politisch engagiert, doch wir wollten Spaß und Anarchie.“
Deuser erinnert sich an aberwitzige Sketche: „Einer telefoniert mit dem Turnschuh, inhaliert und berauscht sich daran.“ Die Nummer hieß „Der Törn-Schuh“. Dann Deusers Strip auf der Bühne: „Ich trug dieses goldene Korsett, auf der Rückseite stand nur: Schluss!“
Die Niegelungen spielten in zehn Jahren mehr als 1.500 Vorstellungen. Allein in Berlin gastierte das Trio in jedem Sommer für sechs Wochen mit täglichen Vorstellungen in der Ufa-Fabrik. Dieses Leben vertrug sich nicht mehr mit Deusers eigentlicher beruflicher Bestimmung. Nach dem Abitur in Koblenz war er nach Köln gewechselt – mit einem Vertrag des renommierten Leichtathletikvereins ASV in der Tasche. „Ich war Profisportler, Mittel- und Langstreckenlauf.“
Knacki Deuser nahm regelmäßig an den Endläufen zur Deutschen Meisterschaft teil. Seine beste Zeit über 1.500 Meter: 3:46. Heute liegt der deutsche Rekord bei drei Minuten, 31 Sekunden. Aber: „Du kannst nicht zehn Mal in der Woche trainieren, wenn du nur ein einziges Mal nach einer Theatervorstellung versackst.“
Knacki Deuser entschied sich für die Bühne und studierte nebenher trotzdem noch vier Jahre Betriebswirtschaftslehre. Darüber hinaus nahm er in New York Schauspielunterricht, belegte Kurse in Step-Tanz, führte Regie in Koblenz und anderswo.
Nach dem Ende der Niegelungen wirkte Deuser in dem schrägen Kölner Musikcomedy-Projekt Sankt Pank mit – und in Werbespots für „Burger King“. Er entwickelte Show-Konzepte für industrielle Großprojekte wie CeBit oder ifa. Noch heute trainiert er Moderatoren und moderiert selbst bei Veranstaltungen von VW, Audi oder Villeroy & Boch.
Vor vier Jahren reifte in Deuser die Erkenntnis, dass der deutschen Comedy allmählich der Nachwuchs ausgeht. Die Michael Mittermeiers des Landes waren bereits jenseits der Dreißig, ihr Publikum nicht wesentlich jünger. Deuser erinnerte sich an seine eigenen Anfänge als 18-Jähriger mit den Niegelungen. „Jede Kunstform braucht Nachwuchs – und zwar auf der Bühne und vor der Bühne.“
Doch wie und wo findet man Publikum? Jedenfalls nicht im Theater. „Du musst dorthin, wo sich diese Leute aufhalten.“ Deuser suchte „einen ungewöhnlichen Ort, um eine gewisse Aufmerksamkeit zu erzeugen.“ Er überlegte: Hotel-Lobby, Fleischerei – alles Quatsch. „Und die Bushaltestelle war zu kalt.“ Dann sah er diesen Waschsalon im Belgischen Viertel. Dort befand sich sein junges Publikum – und wusch schmutzige Wäsche.
Drei lange Monate hat er mit dem Besitzer verhandelt. Die Auflagen der Stadt waren schnell erledigt: „Wir nehmen ja keinen Eintritt und verkaufen auch sonst nichts.“ Mit 30 Zuschauern ging Deuser an den Start. Ohne jede Werbung und ohne Fernsehen. Er wollte „erst mal etwas vorlegen“. Gleich für die ersten Shows engagierte Deuser unbekannte Top-Comedians: Johann König, Hennes Bender, Ingo Oschmann, Gregor Mönter, Ausbilder Schmidt (Holger Müller), Mario Barth. „Auch Bernd Hoecker hat seine erste Stand-up-Nummer bei uns präsentiert.“ Ein Bericht im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sorgte für eine Beschleunigung des Bekanntheitsgrades.
NightWash avancierte schnell vom Geheimtipp zum Top-Thema, der WDR bot sich an. Ausführende Produzenten des TV-Hits sind Deusers Firma DNA und Alfred Bioleks Pro GmbH. „Ich war definitiv zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, sagt Deuser heute. Seinem Grundprinzip bleibt er eisern treu: Er engagiert keine Künstler, die sich noch nicht zwischen Banklehre und Bühne entschieden haben. „Ich will die junge Elite.“ Zweiter Grundsatz: „Die Künstler müssen sich als Dienstleister verstehen, das Publikum unterhalten zu wollen.“
Der Chef ist selbst vom Fach – und gleichzeitig Moderator. Deuser will den Nachwuchs damit nicht verunsichern: „Ich bin mehr Coach als Diktator.“ Er fühlt sich zuständig für eine „absolut stressfreie Atmosphäre“. Die Sendung wird aufgezeichnet, möglichst in einem Durchlauf. Jeder Künstler hat vier bis sechs Minuten für seine Nummer. Eingeladen werden fünf bis sechs Künstler, pro Sendung wirken aber nur drei bis vier Akteure mit. Das hat zwei Vorteile: Zum einen lässt sich auf diese Weise aus drei Aufzeichnungen locker eine vierte Sendung stricken. Zum anderen kann Deuser einem Künstler, der einen schlechten Tag erwischt hat, die Schmach einer Ausstrahlung ersparen.
Das Publikum kann über Internet Plätze reservieren. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Man könnte den Waschsalon durchaus im WDR-Studio nachbauen, es würde sogar funktionieren, weil die Sendung Kult ist. Doch Deuser liebt „den Anti-Chic des Ladens“. Er mag es, wenn Passanten verwundert durchs Schaufenster blicken. Außerdem kommt immer auch normales Publikum in den Waschsalon. Zum Wäschewaschen. Das gehört zu den Auflagen.
Knacki Deuser
Geboren am 28. Mai 1965 in Kaiserlautern ( „Ich bin mir sicher: Der FCK kommt wieder“) heißt eigentlich Klaus-Jürgen. Den Spitznamen Knacki hat ihm seine Schwester gegeben, als er fünf Jahre alt war. Er wächst in Koblenz auf, beginnt 1978 mit Hochleistungssport (Leichtathletik: 800 bis 1.500 Meter), gründet 1983 das Comedy-Trio Die Niegelungen. Es folgen rund 1.500 Vorstelluongen in den nächsten 10 Jahren. Nach dem Abitur 1984 Umzug nach Köln, wo er einen Vertrag mit dem Leichtathletikverein ASV unterschrieben hat. Nimmt an Deutschen Meisterschaften teil. „Ich lief immer als Vierter oder Fünfter die Endrunden.“ Beste Zeit über 1.500 Meter: 3:46. 1984-1988: BWL-Studium. Ab 1987 länger Aufenthalte in New York. Schauspiel- und Step-Unterricht. Regiearbeiten. Ab 1993 Moderator für Shows, Galas und Industrieveranstaltungen. 1995-1998: Kölner Musikprojekt Sankt Pank. 1996: Film- und Fernsehrollen („Schwurgericht“, „Ballermann“). Ab 1997 Arbeit als Moderationstrainer. Seit 2000: NightWash. Sendestart beim WDR am 7. Oktober 2001. Außerdem Dozent für Motivations- und Moderationstraining. Seit 2002 Produktion Deutsches Stand Up Festival Düsseldorf. Betreut mit der Firma DNA Künstler wie Mario Barth und Ausbilder Schmidt; ist „Head Coach“ der TV-Show Star Search (SAT.1). Hobbys: Sport, Bücher und „mein Beruf“. Privat: Seit neun Jahren verheiratet mit der Amerikanerin Natascha; eine Tochter (Kaya, 6)
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