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FAZ [22.10.03]
Ungebügelt: In NightWash geht Humor vor Dekor (WDR)
Wenn sich das Leben im Waschsalon schon nicht zum Guten wendet, so wird es
jedenfalls sauberer. Man könnte von einer Verwandlung sprechen, die dennoch
manchen Wunsch offen lässt, und sei es der nach der eigenen Waschmaschine.
Wer sich auf den Plastikstühlen niederlässt, nimmt im Geiste Abschied
vom Schmutz, wer hier ein Kabarettprogramm für das Fernsehen inszeniert,
kann immerhin auf das Reinheitsgebot verweisen.
Von heute an ist das Comedy-Format NightWash immer dienstags um
Mitternacht im Ersten zu sehen. Obwohl der WDR-Produktion damit der Sprung von
der dritten in die erste Liga gelungen ist, nennt sie sich bescheiden ein Trainingscamp.
Klaus-Jürgen Deuser, der Erfinder und Gastgeber von NightWash,
lädt junge Komiker in den Waschsalon. Die Show spielt das Improvisierte,
irgendwie Halbfertige gegen den gebügelten Chic der Hochglanzcomedy aus.
Keine Einspielfilme tragen den Blick des Zuschauers hinaus in die Welt, keine
Kulissen geben dem Format Farbe. Stattdessen schaut man auf eine Glaswand, die
den Salon von der Straße trennt. Es geht um Humor, nicht um Dekor. Die Zuschauer
sitzen gedrängt auf Stühlen, in einer durchaus waschsalontauglichen
Garderobe.
Mario
Barth
eröffnet den Abend mit einer Klagerede über seinen Freund. Der
"unglaubliche Heinz"
gibt einen schmachtenden Sänger im Seidenhemd, dessen Stimme allerdings klingt
wie Polyester.
NightWash nimmt allein deshalb für sich ein, weil die Show
allen Effekten abschwört und dem Kondenswasser an der Rückwand freien
Lauf lässt. Das ist mutig und ziemlich sehenswert. (aha)
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