Klaus-Jürgen Deuser
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Süddeutsche Zeitung [21.10.03]
Witz in der Wäsche:
Die Comedy-Schleuder NightWash kommt ins Erste

[Autor: Hans Hoff]

In diesem Jahr haben die auf Unterhaltungskurs schippernden Sender weder Kosten noch Mühen gescheut, um auf Star Search (SAT.1) nach dem eines Comedy-Cups (RTL) würdigen Comedy-Champ (ZDF) zu gehen und diesem hernach einen Hot Shot (ProSieben) zu verpassen. In aufwändigen Sendungen kürten öffentliche wie private Anstalten ihren vermeintlich lustigsten Insassen und präsentierten am Ende doch immer nur einen aus der riesigen Blindenschar erwählten Einäugigen. Im Grunde war es wie bei der gealterten Show 7 Tage, 7 Köpfe: Schlechte Komiker erzählten schlechte Witze, angesagt von schlechten Moderatoren.
Das war erschreckend, zumal man die Sieger alle vorher schon einmal gesehen und gemocht hatte. Schließlich waren sie alle bei NightWash aufgetreten, jener Show, die der WDR bisher im Nachtprogramm versteckte und die er nun ins Erste hievt, um den Menschen dienstags nach Sandra Maischberger ein bisschen Kontrast zu den traurigen Augen von Berlin zu liefern.

NightWash ist billig. Vielleicht die billigste Show im deutschen Fernsehen. Es braucht halt nicht viel, um lustig zu sein. Ein Waschsalon im Belgischen Viertel von Köln reicht. Zwischen die Maschinen packt man ein paar Stühle, lädt sich 180 studentische Szenegänger mit Bierflaschen in der Hand ein und stellt nacheinander vier Künstler ins Schaufenster, wo sie auf dem Bewegungsraum einer Legehenne ihre Scherzchen verschleudern müssen. "Für das Geld produzieren andere einen Pilotfilm", umreißt NightWash-Erfinder und -Moderator Klaus-Jürgen („Knacki“) Deuser den finanziellen Spielraum einer Showstaffel.

Das tut dem Format gut, denn so bleibt der Charme der Unfertigkeit erhalten. Nichts wird durch pompöse Dekoration mit Bedeutung aufgeladen, kein Gag konkurriert mit aufgeblasener Fernseh-Dramaturgie. So schafft es NightWash, auch schlechte Komödianten gut aussehen zu lassen. Zu heiß gewaschene Zoten wechseln sich da ab mit lauwarmen Gags, über die der Zuschauer sich amüsieren mag, weil man in der Stimmung einer lockeren Betriebsfeier eben leichter lacht als im großen Theater. Großes Fernsehen ist das nicht, nette Unterhaltung ab und an aber schon.